Kontakt | Login | Nur für VMF-Mitglieder

Effizienz im Fuhrpark | Risikoeffizienz

05.06.2018 15:06:04

Risikoeffizienz minimiert Fuhrparkrisiken  (6/2018)

Artikel 3 der fünfteiligen Serie „Effizienz im Fuhrpark“.

Autor: Marcus Schulz, Vorstand des VMF und Vorsitzender der Geschäftsführung der Arval Deutschland GmbH, München
 

Im Fuhrpark lauern einige Risiken und Kostenfallen, die durch ein systematisches Risikomanagement in den Griff zu bekommen sind. Gute Informationen und Daten zum Fuhrpark sind dabei das A und O, um analysieren und gezielte Gegenmaßnahmen einleiten zu können.


So komplex wie ein Fuhrpark im Spannungsfeld von Technik, Prozessen, Organisation und den agierenden Menschen ist, so vielfältig und komplex sind auch die Risiken. Es beginnt bei der Halterhaftung und endet bei den Restwertrisiken und Rückgaberisiken noch lange nicht. Fuhrparkmanager tragen eine hohe Verantwortung. Ein professioneller, externer Dienstleister kann ihnen hierbei hilfreich zur Seite stehen. Der je nach Fuhrparkgröße teils immense Aufwand ist Inhouse nur selten selbst zu leisten. Mehr und mehr greifen Unternehmen daher im Fuhrpark- und Risikomanagement auf die Hilfe externe Dienstleister zurück.
 
Die Hauptrisiken im Fuhrpark
 
  • Kostenfallen (z. B. fehlende Daten/Informationen als Entscheidungsgrundlage, Verbrauch, eigene Restwertrisiken, Rückgabekosten und überhöhte Reparaturrechnungen)
  • Haftungsrisiken / Nichteinhaltung von Vorschriften (UVV, Führerscheinkontrolle, Nutzerunterweisung, etc.)
  • Unfälle/Schäden – (Personenschäden, Vermögensschäden)
  • Der Mensch (Ordnungswidrigkeiten, falsches Fahrverhalten, Unachtsamkeit)
  • Fehlende Absicherung (durch Versicherungsschutz und technische Hilfsmittel)

Quelle: Financial Publishing 2017

Kostenfallen im Fuhrpark kennen und ausschalten.
Mindestens einmal jährlich sollte gemeinsam mit dem Dienstleister eine Fuhrparkanalyse durchgeführt werden. Auf dieser Basis können Maßnahmen abgeleitet werden, um mögliche Schwachstellen zu beheben oder zumindest das Risiko zu minimieren. Moderne Tools, wie etwa Telematiksysteme, bieten hier neue Möglichkeiten: Eine umfassendere Datenbasis kann damit erhoben und intelligent ausgewertet werden. So können effektive strategische Entscheidung zur Steigerung der Effektivität und Minimierung von Risiken getroffen werden. Auch Tankkarten, elektronische Fahrtenbücher oder Schadensanalysen des Versicherers sind wertvolle Datenquellen, die alle ins umfangreiche Reporting des Leasinggebers einfließen. Dabei ist nicht erst seit der europäischen Datenschutz-Grundverordnung DSGVO auf die Einhaltung von Datenschutzrichtlinien und dem Schutz personenbezogener Daten besonders zu achten. Auch hierzu können die Leasinggeber jedoch kompetent beraten.
Mit einer geeigneten Total-Cost-of-Ownership-Strategie hat der Fuhrparkmanager nicht nur alle fahrzeugbezogenen Kosten, sondern auch die häufig vernachlässigten indirekten Kosten und Prozesse im Blick:
  • Gibt es Ausreißer beim durchschnittlichen Verbrauch?
  • Haben bestimmte Fahrzeuge zu häufige Werkstattbesuche?
  • Laufen die Rückgabekosten am Laufzeitende aus dem Ruder?
  • Welche Ursachen gibt es bei selbstverschuldeten Karosserie-/ Unfallschäden?
Wer solche Daten zur Verfügung hat, kann entsprechend handeln. Wird die Ursache erkannt, kann rechtzeitig gegengesteuert werden.
Gerade „Parkrempler“ sind heute meist sehr kostenintensiv und können durch Einsatzart und -orte der Fahrzeuge und die ggf. ungünstigen Parksituationen ausgelöst werden. Hier können Assistenzsysteme und Einparkhilfen die richtige Gegenmaßnahme sein. Kleinere Schäden wie Dellen und Kratzer können teilweise sogar über Smart-Repair behoben werden. Bereits zu Vertragsbeginn sollte man das Laufzeitende im Blick haben. Denn bei der Auswahl des Partners ist darauf zu achten, dass dieser einen fairen, zertifizierten Rückgabeprozess anbietet. Schäden müssen natürlich ausgeglichen werden, aber eben nicht normale Gebrauchsspuren wie etwa kleine Steinschläge am Fahrzeug. Wird ein Leasingrückläufer nach der „Fairen Fahrzeugbewertung“ abgerechnet, werden solche Kriterien detailliert und transparent berücksichtigt. Das Original als zertifizierte Version mit bereits im Vorfeld transparenten Abrechnungshinweisen gibt es nur bei den VMF-Mitgliedsgesellschaften. Unabhängige Gutachterorganisationen wie bspw. der TÜV Süd oder die DEKRA nehmen die Schadensbewertung für die dafür zertifizierten Leasinggesellschaften vor.
 
Dienstwagenfahrer sensibilisieren und Schadenquote minimieren.
Für Aspekte wie die Eignung des Fahrers, für die Führerscheinkontrolle, die ordnungsgemäße Ein- und Unterweisung, den einsatzbezogenen und technischen Zustand des Fahrzeugs oder die Ladungssicherung ist stets der Halter verantwortlich. Der Halterhaftung liegt – abweichend vom Grundsatz der Verschuldenshaftung – das Prinzip der Gefährdungshaftung zu Grunde. Diese ist unabhängig vom Verschulden. Das Auto ist - sobald es in Betrieb genommen wird - eine potentielle Gefahrenquelle, die einen besonderen Schutz vor Schäden erfordert. Die Halterverantwortung kann und wird vom Unternehmer bzw. der Geschäftsleitung in der Regel an einen Mitarbeiter delegiert (§ 9 OWiG bzw. § 14 StGB). Halter zu sein heißt, persönlich verantwortlich zu sein. Bußgelder, Punkte im Verkehrsregister, ggf. Fahrverbot, Geld- bis – theoretisch – hin zur Gefängnisstrafe drohen. Die zivilrechtliche Verantwortung ist in der Regel gut versicherbar. Also gilt es einerseits, alle Vorgaben zu beachten und andererseits für einen den Risiken des jeweiligen Fuhrparks angemessenen ausreichenden Versicherungsschutz zu sorgen. Die meisten Full-Service-Leasinggeber bieten auch dies innerhalb ihres Leistungsportfolios an.
Ein umfassendes Risikomanagement schließt die Mitarbeiter mit ein. Der Umgang, die Schulung (auch gerade online) und die Sensibilisierung der Fahrer spielen daher im Risikomanagement eine besondere Rolle. Sicherheit für Mensch, Umwelt und Maschine stehen oben auf der Agenda. Gefahrensituationen sollten bewusst gemacht werden, wie etwa eine je nach Witterungsverhältnissen angepasste Fahrweise oder  das Vermeiden von gefährlichen Ablenkungen beim Fahren. Auch das ökonomische, spritsparende Fahren will gelernt und geübt sein, so dass regelmäßige Fahrertrainings gute Investitionen sind. Einerseits tritt so der Mitarbeiter geschützt und gut trainiert die Fahrten an, andererseits kann eine bewusstere, ökonomisch-ökologische Fahrweise enorme Kosten einsparen.
 
Anspruchsvolle Fuhrparkmanager nutzen unabhängige Flottenservices.
Fuhrparkmanager sollten Dienstleister nutzen, die individuell auf die Unternehmenssituation eingehen, die passenden präventiven Maßnahmen wie Fahrertrainings und Schulungen oder Veränderungen der technischen Fahrzeugausstattung anbieten können und/oder fuhrparkrelevante Deckungskonzepte und Flottenversicherungen im Portfolio haben. Vor allem Servicebausteine innerhalb des Fullserviceleasing, deren Kostenrisiko beim Leasinggeber liegt, können hier sehr interessant sein. Der Partner organisiert Werkstattpartner, prüft Rechnungen und gibt sie zügig frei, so dass auch hier Zeit und Kosten eingespart werden. Auch diese Dienstleistung ist möglich, wenn ein Unternehmen selbst dafür das Risiko tragen möchte, es jedoch durch professionelle Hilfe und Prozesse einschränken will. Regelmäßige Kommunikation mit den Dienstwagenfahrern über interne Medien, Schulungen und Trainings sowie die Sensibilisierung für Gefahren sind wichtige Erfolgsgaranten eines effizienten Fuhrparkmanagements. Sinnvoll ist es, ein Jahreszeiten-Kommunikationskonzept zu erstellen und umzusetzen. Schon die reine Information über die aufgelaufene Schadenhöhe, aber auch Modelle der Fahrerselbstbeteiligung oder Incentivierung bei unfallfreiem Fahren, sind erfahrungsgemäß sehr hilfreich. Deshalb ist eine Car Policy mit klaren Vereinbarungen die Basis, damit eine gute Zusammenarbeit aller Beteiligten mit dem Ziel der Sicherheit und Wirtschaftlichkeit bei geringem Risiko nachhaltig zu erreichen ist.




  zu Artikel 2 - Effiziente Fuhrparkgestaltung   |    zu Artikel 4 - Effiziente Prozesse